Hamlet im Theater Trier: Shakespeare mit einer Frau in der Titelrolle
Hamlet im Theater Trier: Nicolai Sykosch inszenierte Shakespeares Tragödie mit Susanne Schieffer als Prinz. Konzept, Besetzung, Pressestimme, Dauer.
Symbolbild: „Hamlet“, Darstellung von Eugène Delacroix (19. Jahrhundert) – kein Foto der Trierer Inszenierung. Gemeinfrei: Eugène Delacroix · Wikimedia Commons
Inhalt
„Sein oder Nichtsein“: Shakespeares „Hamlet“ ist das meistgespielte Drama der Theatergeschichte und für jedes Schauspielensemble eine Bewährungsprobe. Das Theater Trier hat es in der Spielzeit 2025/26 auf die Bühne gebracht. Regie führte Nicolai Sykosch, und in der Titelrolle stand mit Susanne Schieffer eine Frau. Inzwischen ist die Produktion abgespielt. Diese Seite hält fest, was sie ausmachte.
Das Stück
„Hamlet“ entstand um 1600. Der dänische Prinz Hamlet kehrt nach dem plötzlichen Tod seines Vaters vom Studium nach Hause zurück. Sein Onkel Claudius hat den Thron bestiegen und Hamlets Mutter Gertrud geheiratet. Der Geist des Vaters erscheint und behauptet, Claudius habe ihn ermordet. Hamlet soll ihn rächen. Statt sofort zu handeln, zweifelt, zögert und prüft Hamlet. Er stellt sich wahnsinnig, lässt Schauspieler den Mord nachspielen, um Claudius zu entlarven, und reißt dabei fast alle um sich herum mit in den Untergang: Ophelia, ihren Vater Polonius, ihren Bruder Laertes, seine Mutter und schließlich sich selbst.
Das Theater Trier beschrieb seine Fassung als psychologisches Drama über Macht und Intrige am Hof und in der Familie. Hamlet verliere sich immer mehr in Täuschung und Wahnsinn, „bis er nicht mehr unterscheiden kann, was echt ist und was nur gespielt“. Das ist eine Lesart, die das Theater im Theater, also die berühmte Schauspielerszene, ins Zentrum rückt.
Eine Frau als Hamlet
Dass Susanne Schieffer den Prinzen spielte, ist kein Trierer Sonderweg. Frauen spielen Hamlet seit über 200 Jahren, von Sarah Bernhardt bis zu zahlreichen Inszenierungen der Gegenwart. Der Trierische Volksfreund, den das Theater zitiert, schrieb dazu trocken: „Hamlet von einer Frau spielen zu lassen, ist ja nichts Neues.“ Interessant ist die Besetzung eher, weil sie den Blick auf die Figur verschiebt. Hamlets Unsicherheit, sein Spiel mit Rollen und seine Fremdheit am Hof bekommen eine zusätzliche Ebene, ohne dass der Text verändert werden muss.
Team und Besetzung
Neben Regisseur Nicolai Sykosch arbeiteten Anja Jungheinrich (Bühne), Veronika Bleffert (Kostüme), Ernst Schießl (Licht), Hendrik Dingler (Musik) und Nicole Berns (Dramaturgie) an der Produktion. Für die Fechtszene im letzten Akt war Fabian Broermann als Fechtchoreograf zuständig.
| Rolle | Besetzung |
|---|---|
| Hamlet | Susanne Schieffer |
| Claudius, König von Dänemark | Harald Pilar von Pilchau |
| Gertrud, Königin | Barbara Ullmann |
| Polonius | Klaus-Michael Nix |
| Horatio | Joana Tscheinig |
| Laertes | Yannick Sturm |
| Ophelia | Eva Stempel |
| Rosenkranz | Giovanni Rupp |
| Güldenstern | Stephan Vanecek |
| Geist / Osric / Voltemand / Schauspieler | Samuel Schriefer |
| Barnardo / Reynaldo / Totengräber / Hauptmann / Schauspieler | Aicha Bracht |
| Marcellus / Fortinbras / Totengräber / Schauspieler | Patrick Nellessen |
Auffällig sind die Mehrfachbesetzungen. Zwölf Darstellerinnen und Darsteller teilten sich alle Rollen des Stücks. Auch Horatio, Hamlets einziger Vertrauter, wurde mit einer Frau besetzt: Joana Tscheinig.
Praktisches: Dauer und Alter
Laut Theater dauerte die Vorstellung etwa 2 Stunden und 40 Minuten inklusive einer Pause. Das ist für „Hamlet“ eher kurz. Ungekürzt würde das Stück deutlich über vier Stunden dauern, gestrichen wird also immer. Die Altersempfehlung lag bei 12 Jahren. Für Schulklassen, die „Hamlet“ im Englisch- oder Deutschunterricht lesen, war die Produktion damit gut geeignet.
Die Sätze, die jeder kennt
Kaum ein Theatertext hat so viele Redewendungen hervorgebracht. Viele Menschen zitieren „Hamlet“, ohne es zu wissen. In der klassischen deutschen Übersetzung von August Wilhelm Schlegel heißen die bekanntesten Stellen:
- „Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage.“ Der Beginn des großen Monologs im dritten Akt, in dem Hamlet über Leben, Tod und das Zögern nachdenkt.
- „Etwas ist faul im Staate Dänemarks.“ Das sagt Marcellus, nachdem der Geist erschienen ist. Heute ist es ein Sprichwort für jede Organisation, in der etwas nicht stimmt.
- „Ist dies schon Tollheit, hat es doch Methode.“ Polonius über Hamlets gespielten Wahnsinn.
- „Der Rest ist Schweigen.“ Hamlets letzte Worte.
Welche Übersetzung die Trierer Produktion verwendete, nennt das Theater auf seiner Produktionsseite nicht.
Wo man Hamlet heute sieht
Eine Wiederaufnahme in der Spielzeit 2026/27 hat das Theater nicht angekündigt. Das Trierer Schauspiel ist inzwischen ins neue Wechselwerk an der Tufa umgezogen und spielt dort en suite, also jeweils eine Produktion mehrere Wochen am Stück. Viele aus dem Hamlet-Ensemble stehen auch in der aktuellen Saison auf der Bühne, etwa Giovanni Rupp und Stephan Vanecek in Doppelkopf. Was im Wechselwerk gerade läuft, zeigt unser Spielplan. Wer klassisches Schauspiel sucht: Im Januar 2027 hat dort „Die Verwandlung“ von Philipp Löhle Premiere.