Der Messias in den Viehmarktthermen (2015) – Patrick Barlows Komödie im Rückblick
Patrick Barlows Komödie Der Messias spielte das Theater Trier im Advent 2015 in den Viehmarktthermen: Regie Marc Wortel, Besetzung und Kritik im Volksfreund.
Symbolbild: Händels Autograph des „Messias“: „And He shall reign for ever and ever“ – kein Foto der Trierer Inszenierung. Gemeinfrei: Georg Friedrich Händel · Wikimedia Commons
Inhalt
Wer bei „Der Messias“ an Händels Oratorium denkt, liegt nur halb richtig. Im Advent 2015 zeigte das Theater Trier die Komödie „Der Messias“ des englischen Autors Patrick Barlow. Gespielt wurde nicht im Großen Haus, sondern an einem der ungewöhnlichsten Orte der Stadt, in den römischen Viehmarktthermen. Auf die alte Produktionsseite unter teatrier.de verlinkt bis heute der Regisseur. teatrier.de war von 2015 bis 2017 die Adresse des Theaters. Heute ist es ein unabhängiges Kulturmagazin ohne Verbindung zum Theater Trier. Hier fassen wir zusammen, was über diese Weihnachtsproduktion belegt ist.
Das Werk
Patrick Barlow ist in Großbritannien als Komiker, Autor und Schauspieler bekannt. International berühmt wurde er mit seiner Bühnenfassung von Hitchcocks „Die 39 Stufen“, in der vier Darsteller einen ganzen Thriller spielen. Nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert „Der Messias“. Zwei Schauspieler wollen mit einfachsten Mitteln die gesamte Weihnachtsgeschichte auf die Bühne bringen: von der Verkündigung über die Reise nach Bethlehem bis zur Geburt im Stall. Ihnen zur Seite steht eine Opernsängerin, die die Handlung mit Arien begleitet.
Natürlich geht alles schief. Requisiten fehlen, Rollenwechsel misslingen, und die beiden Darsteller geraten über künstlerische Fragen immer wieder in Streit. Gerade daraus entsteht der Witz des Stücks. Es ist eine Komödie über das Theatermachen selbst und zugleich eine überraschend warmherzige Nacherzählung der Weihnachtsgeschichte. Die Musik der Sängerin stammt unter anderem aus Händels „Messiah“. Daher hat das Stück seinen Namen.
Auf Deutsch liegt das Stück in einer Fassung von Volker Ludwig und Ulrike Hofmann beim Rowohlt Theaterverlag vor. Es wird vor allem in der Adventszeit gespielt.
Die Inszenierung in Trier
Laut dem damaligen Spielplan lief „Der Messias“ vom 6. bis zum 27. Dezember 2015.
- Premiere: 6. Dezember 2015
- Spielort: die Viehmarktthermen (Thermen am Viehmarkt). Die Reste einer römischen Badeanlage liegen unter dem modernen Schutzbau am Viehmarktplatz. In der Spielzeit 2015/16 nutzte das Theater sie als Spielstätte.
- Inszenierung und Bühne: Marc Wortel
- Kostüm und Mitarbeit Bühne: Roland Papst
- Dramaturgie: Ulf Frötzschner
- Regieassistenz: Melanie Telle
Besetzung:
- Theodor: Christian Beppo Peters
- Bernhard: Tilman Rose
- Gesang: Vera Ilieva und Emilia Yuan Schaaf
- Tanz: Rita Orth und die Gruppe „Rasheedas Sterne“ vom Tanzstudio Bernadette Wacht
Die Produktion passte zur Linie der damaligen Intendanz unter Karl M. Sibelius. Sie wollte das Theater in die Stadt hinaustragen. In der Spielzeit 2015/16 spielte das Haus neben dem Großen Haus und dem Studio auch im Walzwerk, im Kasino am Kornmarkt, in der Promotionsaula, im Stadtmuseum Simeonstift, in der Tuchfabrik und eben in den Viehmarktthermen.
Was die Kritik schrieb
Der Trierische Volksfreund besprach die Premiere am 7. Dezember 2015 unter der Überschrift „Weihnachtsgeschichte mit Pannen“. Der Kritiker sprach von „einem herrlich komischen Abend“ und lobte die „vorzüglichen Schauspieler“. Christian Beppo Peters nannte er „einen hinreißenden Komödianten“.
Peters war in jenen Jahren eine feste Größe im Trierer Schauspiel. Er spielte unter anderem auch in „Pension Schöller“ und in „Im weißen Rössl“ mit.
Warum gerade die Viehmarktthermen?
Die Thermen am Viehmarkt sind ein Ort mit eigener Geschichte. Die Reste der römischen Badeanlage kamen bei Bauarbeiten am Viehmarktplatz zutage. Statt sie wieder zu überbauen, setzte die Stadt einen gläsernen Schutzbau darüber. So entstand ein Raum zwischen Ausgrabung und moderner Halle. Für eine Komödie über zwei Schauspieler, die mit einfachsten Mitteln eine 2.000 Jahre alte Geschichte erzählen wollen, ist das ein passender Rahmen: Die Weihnachtsgeschichte spielt in der Zeit des Römischen Reiches, und das Publikum saß zwischen römischen Mauern. Ob die Raumwahl von Anfang an zum Konzept gehörte oder sich aus der Spielstättenplanung ergab, ist nicht belegt.
Heute in Trier
Die Idee, an besonderen Orten zu spielen, ist durch die Generalsanierung des Theaters wieder hochaktuell. Seit Herbst 2026 spielt das Schauspiel im neuen Wechselwerk an der Tufa. Hinzu kommen die Europäische Kunstakademie, die Kulturkirche Heiligkreuz und ab 2027 die Europahalle direkt gegenüber den Viehmarktthermen. Eine Komödie für die Weihnachtszeit gibt es auch 2026: Der musikalisch-komödiantische Abend „Doppelkopf“ spielt im Dezember in der Europäischen Kunstakademie.
Alle aktuellen Produktionen stehen im Spielplan. Was in Trier im Advent sonst noch los ist, sammeln wir in der Monatsübersicht Was ist los in Trier.
Hinweis: Dieser Text ist ein redaktioneller Rückblick auf Grundlage veröffentlichter Quellen. Wir haben die Aufführung nicht selbst gesehen.