Pension Schöller am Theater Trier (2016) – die Posse im Rückblick
Pension Schöller am Theater Trier im Sommer 2016: Regie Lydia Bunk, Bühne Paul Zoller, Kostüm Annette Braun – das Konzept nach Grosz und Dix, Besetzung und Kritik.
Inhalt
„Pension Schöller“ ist einer der langlebigsten Schwänke des deutschen Theaters. Im Juni 2016 brachte das Theater Trier ihn als letzte Schauspielpremiere der Spielzeit 2015/16 auf die Bühne des Großen Hauses. Die Regisseurin Lydia Bunk verlinkt bis heute auf die alte Seite teatrier.de/spielplan/pension-schoeller. Das war zwischen 2015 und 2017 die Adresse des Theaters. Heute ist teatrier.de ein unabhängiges Kulturmagazin und nicht mit dem Theater Trier verbunden. Hier steht, was über die Produktion belegt ist.
Das Werk
Carl Laufs und Wilhelm Jacoby schrieben die Posse 1890. Seitdem wird sie gespielt, bearbeitet und verfilmt, sie ist vielleicht der bekannteste deutsche Schwank überhaupt. Die Grundidee ist einfach und bis heute wirksam. Der wohlhabende Gutsbesitzer Philipp Klapproth aus der Provinz kommt nach Berlin. Er möchte einmal eine „echte Irrenanstalt“ von innen sehen, um zu Hause davon erzählen zu können. Sein Neffe Alfred, der von ihm Geld für ein eigenes Geschäft braucht, greift zu einem Trick. Er führt den Onkel in die Pension Schöller und gibt die Gäste als Patienten aus.
Die Pensionsgäste sind tatsächlich ziemlich exzentrisch, aber völlig gesund. Da ist ein Schauspieler, der kein „L“ aussprechen kann, ein Major a. D., eine Schriftstellerin auf Stoffsuche und ein Weltreisender, der von seinen Abenteuern nicht lassen kann. Klapproth hält alles für Symptome und genießt den Besuch. Im zweiten Teil kehrt sich das Spiel um. Die vermeintlichen Verrückten tauchen nacheinander bei ihm zu Hause auf, und nun glaubt Klapproth, der Wahnsinn sei ihm gefolgt.
Der Schwank lebt von Verwechslungen, Tempo und Typen. Gerade deshalb reizt er Regisseure bis heute, die alte Mechanik mit einer eigenen Handschrift aufzuladen.
Die Inszenierung in Trier
- Premiere: Freitag, 17. Juni 2016, 19:30 Uhr, Großes Haus. Der damalige Spielplan führte das Stück als „Posse“.
- Weitere Termine: 25. Juni sowie 5., 6., 9., 10. und 17. Juli 2016
- Regie: Lydia Bunk
- Bühnenbild: Paul Zoller
- Kostüm: Annette Braun
Bunk orientierte sich laut Vorbericht im Trierischen Volksfreund an der Bildwelt der Weimarer Republik. Sie nannte George Grosz, Otto Dix und die Tänzerin Anita Berber als Bezugspunkte und setzte auf „karikaturistische Vergröberungen“. Aus dem gemütlichen Kaiserzeit-Schwank wurde so eine grelle Figurengalerie im Stil der Zwanzigerjahre.
Die Besetzung ist nur zum Teil belegt. Gina Haller und Juliane Lang spielten die Schwestern Franziska und Ida, Nadia Migdal spielte Josephine Krüger. Auch Christian Beppo Peters stand auf der Bühne. Welche Rolle er hatte, ist nicht belegt. Wer die vollständige Besetzung kennt, kann uns gern schreiben.
Was die Kritik schrieb
Lydia Bunk zitiert auf ihrer Website eine Kritik: „Genialer Blödsinn, toll gespielt – am Theater Trier wirbelt Regisseurin Lydia Bunk mit einer Uralt-Klamotte mächtig Staub auf.“ Aus welcher Zeitung das Zitat stammt, gibt die Seite nicht an. Vermutlich ist es der Trierische Volksfreund, das ist aber nicht belegt.
Der Volksfreund hatte die Produktion vor der Premiere ausführlich angekündigt, mit einem Porträt der Regisseurin und ihres Konzepts. Weitere Besprechungen, etwa aus Fachzeitschriften, haben wir nicht gefunden. Für eine Schwankinszenierung an einem Stadttheater ist das nicht ungewöhnlich, denn überregionale Kritik konzentriert sich meist auf Uraufführungen und Oper.
Einordnung: Warum der Schwank überlebt
Viele Lustspiele des späten 19. Jahrhunderts sind heute vergessen, „Pension Schöller“ nicht. Ein Grund ist die einfache, fast zeitlose Konstruktion. Ein Besucher aus der Provinz will die Großstadt als Schauspiel erleben und wird selbst Teil der Vorstellung. Ein zweiter Grund ist die Offenheit für Bearbeitungen. Regisseure haben das Stück in die Kaiserzeit, in die Zwanzigerjahre oder in die Gegenwart verlegt. Lydia Bunks Rückgriff auf Grosz und Dix machte aus der Typenkomödie eine Groteske über die Frage, wer eigentlich normal ist. Damit traf sie einen Kern des Stücks, der bei harmloseren Inszenierungen oft verloren geht.
Heute in Trier
Komödie und Schwank gehören weiter zum Trierer Spielplan. In der Spielzeit 2026/27 zeigt das Theater etwa die Science-Fiction-Komödie „Planet B“ im Wechselwerk und den Abend „Doppelkopf“ in der Europäischen Kunstakademie. Das Große Haus, in dem „Pension Schöller“ lief, schließt Ende 2026 für die Sanierung. Mehr dazu auf der Seite zum Theater am Augustinerhof.
Bühnenbildner Paul Zoller wurde später unter anderem als „Bühnenbildner des Jahres 2025“ ausgezeichnet. Mehr zu ihm und weiteren Mitwirkenden steht im Ensemble-Archiv. Alle aktuellen Produktionen zeigt der Spielplan.
Hinweis: Dieser Text ist ein redaktioneller Rückblick auf Grundlage veröffentlichter Quellen. Wir haben die Aufführung nicht selbst gesehen.