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Titelseiten eines historischen Opernlibrettos

Idomeneo am Theater Trier (2017) – Mozarts Opera seria im Rückblick

Mozarts Idomeneo am Theater Trier 2017: erste Trierer Produktion des Werks, Regie Jasmina Hadžiahmetović, Leitung Wouter Padberg, Besetzung und Konzept.

Rückblick Spielzeit 2016/17 · Opera seria

Symbolbild: Titelseiten des Librettos zu Mozarts „Idomeneo“, München 1781 – kein Foto der Trierer Inszenierung. Gemeinfrei: Libretto-Druck, München 1781 · Wikimedia Commons

Inhalt
  1. Das Werk
  2. Die Inszenierung in Trier
  3. Was die Kritik schrieb
  4. Einordnung: Ein Ende ohne Gnade
  5. Heute in Trier

236 Jahre nach der Münchner Uraufführung kam Mozarts „Idomeneo“ im Juni 2017 zum ersten Mal auf die Bühne des Theaters Trier. So jedenfalls schrieb es der Trierische Volksfreund. Die Produktion war die letzte große Opernpremiere der Spielzeit 2016/17 und die zweite Arbeit der Regisseurin Jasmina Hadžiahmetović in Trier. Auf die alte Seite teatrier.de/spielplan/idomeneo/ verweisen bis heute Künstlerseiten aus dieser Zeit. Damals war teatrier.de die Adresse des Theaters. Heute ist es ein unabhängiges Kulturmagazin ohne Verbindung zum Theater Trier. Damit die alten Links wieder etwas zu lesen bieten, fassen wir hier zusammen, was über die Produktion belegt ist.

Das Werk

„Idomeneo, re di Creta“ schrieb der 24-jährige Mozart im Auftrag des Münchner Hofes. Die Uraufführung fand im Januar 1781 im Cuvilliés-Theater statt. Das Libretto stammt von Giambattista Varesco, einem Hofkaplan aus Salzburg. Es geht auf eine französische Tragédie lyrique zurück. „Idomeneo“ gilt als Mozarts erste große Meisteroper. In dieser Opera seria sprengt er die Konventionen der Gattung: mit begleiteten Rezitativen, dramatischen Chören und einer Musik, die psychologische Konflikte hörbar macht.

Die Handlung spielt auf Kreta nach dem Trojanischen Krieg. König Idomeneo gerät auf der Heimfahrt in einen Sturm und gelobt dem Meeresgott Neptun, den ersten Menschen zu opfern, der ihm an Land begegnet. Es ist sein eigener Sohn Idamante. Zwischen Idamante und der trojanischen Prinzessin Ilia entsteht eine Liebe, während die griechische Prinzessin Elettra eifersüchtig um Idamante kämpft. Idomeneo versucht, das Gelübde zu umgehen, und bringt damit Unheil über sein Volk. Bei Mozart endet die Geschichte versöhnlich: Eine göttliche Stimme verkündet, dass Idomeneo abdanken und Idamante mit Ilia herrschen soll.

Die Partie des Idamante schrieb Mozart ursprünglich für einen Kastraten. Heute wird sie meist von einem Mezzosopran oder einem Countertenor gesungen.

Die Inszenierung in Trier

  • Premiere: 3. Juni 2017, Theater Trier (laut der städtischen Statistik zur Spielzeit 2016/17 im Großen Haus). Operabase verzeichnet Vorstellungen bis zum 9. Juli 2017.
  • Musikalische Leitung: Wouter Padberg
  • Inszenierung: Jasmina Hadžiahmetović
  • Bühne und Kostüme: Jule Saworski

Die Besetzung bestand fast vollständig aus dem eigenen Ensemble:

Gesungen wurde auf Italienisch mit Übertiteln.

Interessant ist das Konzept, das der Volksfreund im Vorbericht beschrieb. Hadžiahmetović verstand das Stück als verdeckten Machtkampf zwischen Vater und Sohn. Anders als im Libretto opfert Idomeneo in dieser Inszenierung seinen Sohn tatsächlich. Das versöhnliche Ende, das „lieto fine“, fällt weg. Damit nahm die Regie der Oper ihre barocke Sicherheit und machte aus ihr eine Tragödie über Schuld und Generationen.

Für die Regisseurin war es die zweite Trierer Arbeit nach Janáčeks „Die Ausflüge des Herrn Brouček“ im Jahr 2016. Der Volksfreund schrieb 2017, diese Produktion sei in Trier „noch in bester Erinnerung“.

Was die Kritik schrieb

Eine Premierenkritik zu dieser Produktion haben wir bei unserer Recherche nicht gefunden. Belegt sind der ausführliche Vorbericht im Trierischen Volksfreund („Trier entdeckt Mozart“) und Fotos der Produktion auf der Seite des Trierer Fotografen Art-EO. Wer eine Besprechung kennt, kann uns gern schreiben. Wir ergänzen sie dann mit Quellenangabe.

Einordnung: Ein Ende ohne Gnade

Der radikalste Eingriff dieser Inszenierung war der Schluss. Bei Mozart rettet eine göttliche Stimme Idamante, und die Oper endet mit Krönung und Festmusik. Diese Wendung gehört zur Konvention der Opera seria: Am Ende siegt die Ordnung. Hadžiahmetović verweigerte dieses glückliche Ende. Dass Idomeneo seinen Sohn tatsächlich opfert, verschiebt die Geschichte von der Prüfung durch einen Gott hin zum Versagen eines Vaters, der Macht über Liebe stellt. Viele heutige Regieteams misstrauen solchen versöhnlichen Schlüssen. In Trier traf diese Lesart allerdings auf ein Publikum, das das Werk zum ersten Mal auf der eigenen Bühne sah.

Heute in Trier

Mehrere Mitglieder dieser Besetzung prägten das Trierer Musiktheater noch Jahre später. Eva Maria Amann wird auf der Website des Theaters noch 2024/25 im Musiktheaterensemble geführt, Wouter Padberg dirigiert bis heute in Trier, zuletzt „My Fair Lady“ und „Hänsel und Gretel“. Kurze Porträts der früheren Ensemblemitglieder stehen in unserem Ensemble-Archiv.

Mozart ist auch in der Interimszeit präsent. Beim 3. Sinfoniekonzert im November 2026 steht sein Klavierkonzert KV 488 auf dem Programm. Die Oper spielt bis Ende 2026 im Großen Haus am Augustinerhof und zieht ab 2027 in die Europahalle. Alle aktuellen Produktionen stehen im Spielplan.

Hinweis: Dieser Text ist ein redaktioneller Rückblick auf Grundlage veröffentlichter Quellen. Wir haben die Aufführung nicht selbst gesehen.