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Porträt von Scholem Alejchem, 1907

Anatevka im Theater Trier: das Open-Air-Musical 2026

Anatevka eröffnete im August 2026 als Open Air auf dem Augustinerhof die Spielzeit des Theaters Trier: Werk, Team, Besetzung und wie es weitergeht.

Rückblick Spielzeit 2026/27 · Musical, Open Air

Symbolbild: Scholem Alejchem (1907), Autor der Tewje-Erzählungen, auf denen „Anatevka“ beruht – kein Foto der Trierer Inszenierung. Gemeinfrei: unbekannter Fotograf · Wikimedia Commons

Inhalt
  1. Das Werk: Fiddler on the Roof
  2. Die Trierer Produktion
  3. Theater unter freiem Himmel
  4. Wie geht es mit dem Open Air weiter?
  5. Was jetzt läuft

Mit „Anatevka“ begann für das Theater Trier eine besondere Spielzeit: die erste im Interim, während das Haus am Augustinerhof saniert wird. Das Musical war vom 20. bis 30. August 2026 als Open Air auf dem Augustinerhof zu sehen, direkt vor dem Theater. Das Theater beschrieb die Produktion als Saisonauftakt und „spartenübergreifendes Highlight im Hochsommer“: Schauspiel, Musiktheater, Chor und Orchester standen gemeinsam auf der Bühne. Die Vorstellungen sind gespielt. Weil viele Menschen weiterhin nach „Anatevka Theater Trier“ suchen, fassen wir hier zusammen, was die Produktion ausmachte.

Das Werk: Fiddler on the Roof

„Fiddler on the Roof“ wurde 1964 am Broadway uraufgeführt und gehört seitdem zu den bekanntesten Musicals überhaupt. Die Musik schrieb Jerry Bock, die Gesangstexte Sheldon Harnick, das Buch Joseph Stein. Vorlage sind die Erzählungen von Scholem Alejchem über den Milchmann Tewje. Im deutschsprachigen Raum heißt das Stück „Anatevka“, nach dem fiktiven Schtetl, in dem es spielt. In Trier wurde die deutsche Fassung von Rolf Merz und Gerhard Hagen gespielt.

Die Handlung spielt Anfang des 20. Jahrhunderts im russischen Zarenreich. Tewje lebt mit seiner Frau Golde und fünf Töchtern nach den strengen Regeln der jüdischen Tradition. Die drei ältesten Töchter wollen nicht mehr warten, bis die Heiratsvermittlerin Jente einen Mann für sie findet. Zeitel liebt den armen Schneider Mottel, Hodel den revolutionären Studenten Perchik, und Chava verliebt sich in Fedja, einen jungen Russen, der nicht jüdisch ist. Mit jeder Tochter muss Tewje ein Stück Tradition aufgeben. Gleichzeitig wächst der politische Druck, bis die jüdischen Bewohner ihr Dorf verlassen müssen.

Lieder wie „Wenn ich einmal reich wär“, „Tradition“ und „Sonnenaufgang, Sonnenuntergang“ kennt man auch ohne das Musical gesehen zu haben. Die Geschichte von Familie, Glauben, Vertreibung und Neuanfang hat nichts von ihrer Aktualität verloren.

Auf deutschsprachigen Bühnen ist „Anatevka“ seit der deutschen Erstaufführung 1968 in Hamburg ein Dauerbrenner. Die Rolle des Tewje gilt als eine der großen Charakterrollen des Musiktheaters, weil sie Schauspiel, Gesang und Humor gleichermaßen verlangt. Viele Stadttheater setzen das Werk gerne für Open-Air-Produktionen an. Die großen Chorszenen, die Hochzeit und der Auszug aus dem Dorf wirken unter freiem Himmel besonders stark.

Die Trierer Produktion

Inszeniert hat Ansgar Weigner, die musikalische Leitung hatte Generalmusikdirektor Jochem Hochstenbach. Die Choreografie stammte von David Hartland, das Bühnenbild von Darko Petrovic, die Kostüme von Yvonne Forster und das Licht von Stephan Sikora. Den Chor studierte Martin Folz ein, Dramaturg war Malte Kühn.

Rolle Besetzung
Tewje Ansgar Schäfer
Golde Stephanie Theiß
Zeitel Joana Tscheinig
Hodel Lara Rieken
Chava Anna Hirzberger (Gast)
Mottel, Schneider Derek Rue
Perchik, Student Patrick Nellessen
Fedja Yannick Sturm
Lazar Wolf, Fleischer Thomas Peters
Jente / Fruma Sarah Janja Vuletić
Sascha, Sänger Gustavo Eda
Rabbi Klaus-Michael Nix

Auffällig ist die Mischung: Mit Joana Tscheinig, Patrick Nellessen, Yannick Sturm und Klaus-Michael Nix standen Mitglieder des Schauspielensembles neben Sängerinnen und Sängern wie Lara Rieken und Janja Vuletić. Das ist die spartenübergreifende Idee, die das Theater ankündigte.

Theater unter freiem Himmel

Gespielt wurde auf dem Augustinerhof, dem Platz zwischen Theater und Rathaus. Für Regenabende war das Große Haus als Ausweichort vorgesehen. Die Entscheidung fiel jeweils am Vorstellungstag. Im Hintergrund lief schon die Sanierung: Die energetische Sanierung des Bühnenturms hatte Ende Mai 2026 begonnen, und das Große Haus war deshalb früher als üblich in die Sommerpause gegangen.

Wie geht es mit dem Open Air weiter?

Ob es auch im Sommer 2027 ein Open Air auf dem Augustinerhof gibt, ist offen. Ab dem ersten Quartal 2027 beginnt am Theater die eigentliche Generalsanierung. Was das für den Platz davor bedeutet, ist noch nicht bekannt. Das Theater hat bei Redaktionsschluss noch keine Pläne für den nächsten Sommer veröffentlicht. Wir aktualisieren diese Seite, sobald es Neuigkeiten gibt. Früher war das Amphitheater der Ort für sommerliches Theater in Trier, bei den Antikenfestspielen bis 2010. Mehr dazu auf unserer Seite zum Amphitheater.

Was jetzt läuft

Wer nach „Anatevka“ Lust auf großes Musiktheater bekommen hat, findet in den nächsten Wochen die Oper Hänsel und Gretel und das Ballett Carmina Burana im Großen Haus. Beide sind die letzten Produktionen dort vor der Sanierung. Den kompletten Überblick gibt der Spielplan 2026/27.