Jesus Christ Superstar im Walzwerk Trier (2016) – ein Rückblick
Rückblick auf Jesus Christ Superstar im Trierer Walzwerk 2016: Regie Martin G. Berger nach dem 1. Trierer Musical Award, Besetzung, Kritiken und das Werk.
Symbolbild: Rockkonzert bei Nacht – kein Foto der Trierer Inszenierung. Bild: Shixart1985 , CC BY 2.0 · Wikimedia Commons
Im Sommer 2016 spielte das Theater Trier Andrew Lloyd Webbers Rockoper „Jesus Christ Superstar“ nicht im eigenen Haus am Augustinerhof, sondern in einer Industriehalle im Stadtteil Kürenz: im Walzwerk. Diese Produktion gehört zu den meistverlinkten der kurzen Ära, in der das Theater unter der Adresse teatrier.de auftrat, also zwischen 2015 und 2017. Viele Künstlerseiten und Kritiken verweisen bis heute auf die alte Adresse /spielplan/jesus-christ-superstar/. teatrier.de ist inzwischen ein unabhängiges Kulturmagazin und nicht mit dem Theater Trier verbunden. Damit diese Links nicht ins Leere führen, erzählen wir hier, was über die Produktion belegt ist, und erklären, worum es in dem Werk geht.
Das Werk
„Jesus Christ Superstar“ entstand Ende der 1960er-Jahre als Gemeinschaftsarbeit des Komponisten Andrew Lloyd Webber und des Texters Tim Rice. Zuerst erschien das Stück 1970 als Konzeptalbum. Erst danach kam es auf die Bühne, 1971 am Broadway und 1972 im Londoner West End. Für Lloyd Webber und Rice war es nach „Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat“ der große Durchbruch.
Erzählt werden die letzten sieben Tage im Leben Jesu, vom Einzug in Jerusalem bis zur Kreuzigung. Ungewöhnlich ist die Perspektive. Im Mittelpunkt steht nicht nur Jesus, sondern vor allem Judas Iskariot, der zweifelt, ob der Kult um seinen Freund noch der ursprünglichen Idee dient. Maria Magdalena, Pontius Pilatus, Herodes und die Hohepriester um Kaiphas sind weitere zentrale Figuren. Die Musik verbindet Rock, Soul, Funk und Ballade. Bekannte Nummern sind das Titelstück „Superstar“, Marias Ballade „I Don’t Know How to Love Him“, Jesu Monolog „Gethsemane“ und der satirische „King Herod’s Song“.
Bei der Uraufführung war das Stück umstritten. Kirchliche Gruppen empfanden die menschliche, zweifelnde Darstellung Jesu als Provokation. Heute gehört es zum Standardrepertoire der Musicalbühnen und wird auch an Stadt- und Staatstheatern regelmäßig gespielt.
Die Inszenierung in Trier
Die Trierer Produktion hatte eine besondere Vorgeschichte. Den Regieauftrag vergab das Theater über einen Wettbewerb, den 1. Trierer Musical Award, im Januar 2016. Unter dem Motto „Junge Regisseure präsentieren ihre Sicht auf das Rockmusical Jesus Christ Superstar“ stellten Nachwuchsregisseure ihre Konzepte vor. Gewonnen hat Martin G. Berger, der die Inszenierung anschließend übernahm.
- Premiere: 2. Juli 2016, gespielt bis zum 23. Juli 2016 (laut musicalzentrale elf Vorstellungen)
- Spielort: das Walzwerk, die Versandhalle des ehemaligen Walzwerks in Trier-Kürenz. Dort gab es rund 650 Plätze auf zwei Tribünen, die sich als „Janus-Bühne“ gegenübersaßen.
- Inszenierung: Martin G. Berger
- Musikalische Leitung: Dean Wilmington. Er arrangierte die Partitur neu und kürzte sie um etwa 45 Minuten.
- Choreographie: Yvonne Braschke
- Bühne: Sarah-Katharina Karl
- Kostüme: Silke Bornkamp
- Video: Daniel M. G. Weiß
- Chor und Extrachor: Einstudierung Angela Händel
Gesungen und gespielt wurde unter anderem von David-Michael Johnson (Jesus), Sasha Di Capri (Judas), Sidonie Smith (Maria Magdalena), Christopher Ryan (Kaiphas) und Tobias Bieri (Simon Zealotes).
Das Walzwerk war damals Teil eines größeren Plans. Der Intendant Karl M. Sibelius wollte das Gelände nach Angaben von O-Ton zu einer dauerhaften Freiluft- und Kulturspielstätte entwickeln. Dazu ist es nicht gekommen. Heute ist das Walzwerk keine Spielstätte des Theaters mehr. Für das ehemalige Werksgelände in Kürenz gibt es inzwischen einen Bebauungsplan mit Wohnungen und Gastronomie.
Was die Kritik schrieb
Michael S. Zerban besprach die Premiere für O-Ton (Opernnetz) und nannte sie eine „fulminante, ungewöhnliche und schlüssige Aufführung“. Kritik übte er an der Tonqualität, an der Kameraarbeit und an einem überladenen Videokonzept. Das Publikum feierte die Premiere laut seiner Besprechung mit langen stehenden Ovationen, für das Regieteam gab es einen einzelnen Buhruf.
Auch der Trierische Volksfreund berichtete von einem begeisterten Publikum. Seine Überschrift lautete: „Publikum bejubelt progressives Regiekonzept des Erfolgsmusicals Jesus Christ Superstar im Trierer Walzwerk“.
Für das Theater war die Produktion ein Beweis, dass ein großes Musical abseits des Stammhauses funktionieren kann. Diese Erfahrung ist zehn Jahre später wieder aktuell, denn das Theater spielt während der Sanierung des Großen Hauses an Ausweichspielstätten.
Heute in Trier
Das Theater Trier spielt seit Herbst 2026 vor allem im neuen Wechselwerk an der Tufa. Ab Januar 2027 kommt die Europahalle hinzu. Das Große Haus am Augustinerhof schließt Ende 2026 für die Generalsanierung. Musicals laufen weiterhin regelmäßig, zuletzt „Anatevka“ als Open Air auf dem Augustinerhof und „My Fair Lady“.
Was aktuell gespielt wird, steht in unserem Spielplan-Überblick. Weitere Rückblicke auf Produktionen aus den Jahren 2015 bis 2017 finden sich dort im Archiv, etwa zu Rent, das wie „Jesus Christ Superstar“ von Dean Wilmington musikalisch geleitet wurde.
Hinweis: Dieser Text ist ein redaktioneller Rückblick auf Grundlage veröffentlichter Quellen. Wir haben die Aufführung nicht selbst gesehen. Korrekturen nehmen wir gern über das Impressum entgegen.