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Bäume und Wege im Tompkins Square Park in New York

Rent am Theater Trier (2015/16) – Jonathan Larsons Musical im Rückblick

Rent am Theater Trier: Premiere an Silvester 2015, Regie Malte C. Lachmann, Leitung Dean Wilmington, Besetzung, Kritik und Hintergrund zu Jonathan Larsons Musical.

Rückblick Spielzeit 2015/16 · Musical

Symbolbild: Tompkins Square Park im East Village, dem Viertel, in dem „Rent“ spielt. Bild: David Shankbone , CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Inhalt
  1. Das Werk
  2. Die Inszenierung in Trier
  3. Was die Kritik schrieb
  4. Einordnung: Rent auf Englisch
  5. Heute in Trier

Mit „Rent“ begann das Theater Trier das Jahr 2016. Premiere war an Silvester 2015, und zum ersten Mal überhaupt zeigte das Haus Jonathan Larsons Musical über junge Künstler in New York. Die Produktionsseite unter teatrier.de/spielplan/rent/ ist eine der wenigen Seiten der damaligen Theaterwebsite, die das Internet Archive vollständig gesichert hat. teatrier.de war von 2015 bis 2017 die Adresse des Theaters. Heute ist es ein unabhängiges Kulturmagazin und nicht mit dem Theater Trier verbunden. Auf dieser Seite fassen wir zusammen, was über die Trierer Produktion belegt ist, und erklären das Werk.

Das Werk

„Rent“ ist das Lebenswerk von Jonathan Larson, der Musik, Buch und Liedtexte schrieb. Vorlage ist Giacomo Puccinis Oper „La Bohème“. Larson verlegte die Geschichte armer Künstler aus dem Paris des 19. Jahrhunderts in das East Village von New York Ende der 1980er-Jahre. Statt Tuberkulose bedroht die Figuren nun HIV und Aids. Statt Dachkammern gibt es besetzte Lofts, und die Miete ist längst nicht mehr bezahlt.

Im Zentrum stehen der Filmemacher Mark und sein Mitbewohner Roger, ein Musiker, der nach dem Tod seiner Freundin an HIV erkrankt ist. Dazu kommen die Tänzerin Mimi, der Philosophielehrer Collins, die Dragqueen Angel, die Performancekünstlerin Maureen und ihre Freundin Joanne sowie Benny, ein früherer Freund, der inzwischen Vermieter ist. Ein Jahr lang begleitet das Stück die Gruppe zwischen Weihnachten und Weihnachten. Bekannt ist vor allem der Song „Seasons of Love“ mit seinen 525.600 Minuten eines Jahres.

Die Entstehungsgeschichte ist selbst ein Drama. Larson starb im Januar 1996 unerwartet in der Nacht vor der ersten Off-Broadway-Voraufführung, er wurde 35 Jahre alt. Das Musical wurde ein Welterfolg, gewann den Pulitzer-Preis und mehrere Tony Awards und lief zwölf Jahre am Broadway.

Die Inszenierung in Trier

Laut der archivierten Produktionsseite und dem Lebenslauf des Regisseurs:

  • Premiere: 31. Dezember 2015, 18 Uhr, Theater Trier, Großes Haus
  • Weitere Termine: 3., 6., 7., 8., 10., 15., 23. und 26. Januar 2016. Die letzte Vorstellung war am 2. Februar 2016.
  • Sprache: Gespielt wurde auf Englisch mit deutschen Übertiteln.
  • Inszenierung: Malte C. Lachmann. Die Theaterseite schrieb „nach einer Inszenierung von“, der Regisseur selbst und musicalzentrale nennen ihn als Regisseur.
  • Musikalische Leitung und Keyboard: Dean Wilmington
  • Bühne und Kostüme: Daniel Angermayr
  • Choreographie: Daniel Morales Peréz
  • Dramaturgie: Adrian Jager

Die Besetzung laut Theaterseite: Sybille Lambrich (Mimi), Sasha Di Capri (Roger), Manuel Dengler (Angel), Christopher Ryan (Mark), Sidonie Smith (Maureen), Kathrin Hanak (Joanne), Matthias Stockinger (Benny) und Norman Stehr als Collins. Zur Company gehörten unter anderem Barbara Brandt, Carsten Emmerich, Conny Hain, Lawrence Shawn Hutton, Regina Kletinitch und Miké Thomsen. Es spielte eine fünfköpfige Band. Auf Lachmanns Seite wird außerdem Carin Filipčić als Joanne genannt.

Zum Team gehörten mehrere Namen, die ein halbes Jahr später auch „Jesus Christ Superstar“ im Walzwerk prägten, darunter Dean Wilmington, Sasha Di Capri, Sidonie Smith und Christopher Ryan. Unter Intendant Karl M. Sibelius setzte das Haus damals stark auf zeitgenössisches Musical.

Was die Kritik schrieb

Der Trierische Volksfreund kündigte die Produktion unter der Überschrift „La Bohème in Zeiten von Aids und Anarchie: Theater Trier zeigt erstmals das Musical Rent“ an.

Kritischer fiel die Besprechung von Jens Alsbach für musicalzentrale aus. Er sah die Vorstellung am 3. Januar 2016. Sein Fazit: Es sei eine „dramaturgisch stark modifizierte Inszenierung, die den Grundgedanken des Rockmusicals vermissen lässt“. Eine ausführliche Premierenkritik der Lokalpresse lag uns bei der Recherche nicht vor.

Einordnung: Rent auf Englisch

Ungewöhnlich war die Entscheidung, „Rent“ in der Originalsprache zu spielen. Viele deutsche Bühnen nutzen eine Übersetzung, damit das Publikum den Texten direkt folgen kann. In Trier wurde Englisch gesungen, und deutsche Übertitel lieferten die Übersetzung. Das hat Vorteile: Larsons Liedtexte sind eng mit dem Rhythmus der Musik verwoben und verlieren in Übersetzungen oft an Schärfe. Es kann aber auch Distanz schaffen, wenn das Publikum mehr liest als zuhört. Ob diese Entscheidung zu der kritischen Sicht von musicalzentrale beitrug, lässt sich aus der Besprechung nicht sicher ablesen.

Heute in Trier

Einige der Namen aus „Rent“ sind dem Trierer Publikum lange erhalten geblieben. Norman Stehr spielte in den Folgejahren in weiteren Produktionen, darunter „Im weißen Rössl“ und „Die Brücken am Fluss“. Kurze Porträts früherer Ensemblemitglieder stehen in unserem Ensemble-Archiv.

Musicals gehören auch in der Interimszeit zum Programm des Theaters, das bis Ende 2026 im Großen Haus am Augustinerhof spielt. Welche Produktionen aktuell laufen, steht im Spielplan.

Hinweis: Dieser Text ist ein redaktioneller Rückblick auf Grundlage veröffentlichter Quellen. Wir haben die Aufführung nicht selbst gesehen.